Empfehlenswerte Bücher

An dieser Stelle werden empfehlenswerte Bücher zum Thema Autismus ausführlich  vorgestellt werden. Es werden auf dieser Seite  nur Bücher empfohlen werden deren zugrundeliegendes Menschenbild mit den Leitlinien des Vereins übereinstimmen.

Der Junge, der zu viel fühlte: Wie ein weltbekannter Hirnforscher und sein Sohn unser Bild von Autisten für immer verändern

  • Autor: Lorenz Wagner
  • Gebundene Ausgabe: 216 Seiten
  • Verlag: Europa Verlag; Auflage: 6 (September 2018)
  • Sprache: Deutsch
  • Kurzbeschreibung: Das Buch beschreibt wichtige Aspekte der Forschung von Henry Markram, dem Entwickler der „Intense World Theorie“. Henry Markram ist der Vater eines autistischen Sohnes. Es werden wissenschaftliche und persönliche Dinge berichtet. Die Erzählung beinhaltet Interviews mit Markram und seiner Familie.
  • Geeignet für: Das Buch ist spannend für Menschen, die sich für die Hintergründe der Forschung zur relativ neuen „Intense World Theorie“ interessieren. Geeignet ist das Buch für Erwachsene und ältere Jugendliche.
  • Nicht geeignet für: Nicht geeignet ist dieses Buch als schnelle Abendlektüre, da Fachbegriffe verwendet werden und der Inhalt eher ernst als unterhaltend ist. Das Buch ist keine Ratgeberlektüre.
  • Positiv hervorzuheben: Es wird sehr viel Wert auf Verständnis und Einfühlungsvermögen für autistische Menschen gelegt.

Inhalt:

Im ersten Abschnitt beschreibt das Buch wie Markram und seine Frau erste Herausforderungen im Umgang mit ihrem Sohn Kai bemerken. Diese Herausforderungen nehmen im Verlauf der Abschnitte zu und es wird die Suche nach einer Diagnose für Kai beschrieben.  Es wird erzählt wie Kai zunächst mit einer Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung diagnostiziert wird. Ein einschneidendes Erlebnis für die Familie findet statt, als der kleine Kai im Urlaub wegläuft und sorglos eine giftige Schlange streichelt

Im zweiten Abschnitt wird beschrieben, wie Markram seine Forschung zu autistischen Menschen

aufnimmt und wie sie sich entwickelt. Es wird von Fehlschlägen und Erfolgen der Forschung und auch im Umgang mit Kai berichtet. So melden die Eltern Kai in einer Schule an, welche sich auf den Umgang mit autistischen Kindern spezialisiert hat, wodurch sich Kai’s Befinden und Verhalten allerdings massiv verschlechtert. 

Im dritten Abschnitt wird über die genaue Entdeckung der Intense World Theory berichtet und von Markrams Großprojekt das menschliche Hirn zu verstehen. Ebenfalls wird beschrieben, wie sich die Sicht von Markram auf den Umgang mit autistischen Menschen entwickelt hat und welche Folgen sich für Ihn und seine Forschung daraus ergeben. 


Eindruck:

Das Buch ist sehr umsichtig geschrieben. Es findet die Balance zwischen persönlicher Erfahrung und Bericht über Forschungsprozesse sowie auch Erklärungen zum Gehirn.

Es wird sehr deutlich wie Forschung und persönliches Interesse von Markram zusammenkommen und sich entwickeln.

In wenigen Kapiteln muss man sich erst orientieren, wann und wo man sich in der Zeitlinie befindet und was genau dieser Abschnitt zum Buch und Verständnis von Forschung und Menschen mit Autismus beiträgt. Das Buch ist trotzdem gut zu verstehen.

Auch wenn gegen Ende Empfehlungen zum Umgang mit autistischen Kindern enthalten sind, ist dieses Buch keine Anleitung. Es beschreibt eher ein Beispiel für einen schwierigen Prozess, der manchmal vor der Diagnose „Autismus“ steht und für den manchmal langsamen und schwierigen Prozess der Forschung.

Geeignet ist das Buch für Erwachsene und ältere Jugendliche. Das Buch hilft Forschungsprozesse zu verstehen. Es hilft auch beim Verständnis der Intense Word Theorie, weil der Autor beschreibt wie Henry Markram aufgrund des Verhaltens seines Sohnes Kai die Theorie sieht und wie sie sich daraus entwickelt hat.

 

Intense World Theorie:

Die Intense World Theorie von 2010 ist eine neurobiologische Theorie über Autismus. Anders als vorhergegangene Theorien, welche davon ausgehen, dass autistische Menschen zu weniger Empathie fähig seien, stellt Markram die Hypothese (wissenschaftlicher Ausdruck für die Vermutung, den Verdacht) auf, dass autistische Menschen zu viel fühlen. Er schreibt, dass sich Autismus vor der Geburt in einem ganz bestimmten Zeitraum entwickelt. Dies sorgt dafür, dass die Neuronen, das sind die Nervenzellen im Gehirn, viel schneller und stärker kommunizieren, als es bei Menschen ohne Autismus der Fall ist. Dadurch erleben autistische Menschen Gefühle und Empfindungen viel Intensiver. Was für andere nur ein leicht blendendes Licht ist, kann für autistische Menschen sehr schmerzhaft sein, da sie es viel stärker Empfinden und sich auch in ähnlichen Situationen viel mehr daran erinnern. Dadurch können im Verlauf der Entwicklung Schäden im Gehirn entstehen, was mehr und verschiedenartige Herausforderungen für autistische Menschen mit sich bringt.

Wissenschaftliche Studie

Gernsbacher, M. A., & Yergeau, M. (2019). Empirical failures of the claim that autistic people lack a theory of mind. Archives of Scientific Psychology, 7(1), 102-118. http://dx.doi.org/10.1037/arc0000067


Studie lesen (Englisch, externer Link):

https://psycnet.apa.org/fulltext/2019-75285-001.html


Hier sollen zukünftig aktuelle wissenschaftliche Studien vorgestellt werden, die sich vom rein defizitorientierten Standpunkt der vergangenen Jahrzehnte positiv abgrenzen und neue Erkenntnisse zur Erfahrungswelt autistischer Menschen aufzeigen, überholte Stereotype wissenschaftlich widerlegen und präventive Ansätze bei umweltbedingten Problematiken wie beispielsweise Mobbingerfahrungen sowie möglichen Schwierigkeiten wie z.B. exekutiver Disfunktion bieten.


 NeuroDivers e.V.


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Vereinssitz: Aschaffenburg


Vereinsregisternummer: 200751


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